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Montag, 28. Dezember 2015

Das Orgeli von Alois Suter (Lisäbethler)


Diese Instrument war Teil des Nachlasses den Leo Suter (2. 11.1897 - 12.9.1994), Sohn von Alois Suter (Lisäbethler) nach seinem Tod einem Nachbarn im Ried hinterliess (siehe auch Blogbeitrag vom 13. Oktober 2011). Dieses Instrument war eines der ersten Orgeli im Muotatal. Nach dem Tod von Alois Suter im Jahr 1950 erbte es Leo Suter, der gelegentlich damit musizierte.

Das Instrument wurde Ende 1994 von Martin Nauer (Schwyz) für SFr. 600.- revidiert und eingeschätzt (Abb. 1). Seither war es nicht mehr in Gebrauch. Im Dezember 2015 wurde es von Albert Marty und Walter Fässler total revidiert und ist jetzt wieder spielbar.

Abb. 1: Handschriftliche Notiz zum Lisäbehtler Orgeli von Martin Nauer aus dem Jahr 1994.

Abb. 2: Die Örgeli wurden oft in einer Schachtel aus starkem Karton gelagert.  Wer Zeit und Talent zum Schreinern hatte, baute sich  aber ein Köfferli aus Holz.


Abb. 3: Ein B-Es-Örgeli mit gestuftem Griffbrett auf der Melodieseite; 5 Kreuztöne und 6 Stöpselbässe. Alle Bässe sind diatonisch (B/F, Es/B, As/Des).  Balg mit 10 Falten. Die Metallecken am Balgrahmen sind nicht original und wurden vermutlich bei der Revision bei Karl Iten  im Jahr 1931 ersetzt (s. Abb. 7). Ein Fabrikantenschild fehlt.

Abb. 4: Bassseite mit 6 Stöpseln aus Messing. Unregelmässigkeiten in der Lochung des Bassverdecks weisen darauf hin, dass hier noch von Hand gearbeitet wurde.
Abb. 5: Rückseite; Gleiche Luftmechanik wie bei den Langnauerli.

Abb. 6: Diskantseite

Abb. 7: Unter dem vorderen Diskantverdeck befindet sich die Reparatursigel "Rep 14. V .1931 KIK"; Lese:  Reparatur 14. Mai 1931 Karl Iten und Kündig (Pfäffikon).


Abb. 8: Bassseite Innen: Grundbass zweifach, Begleitbass dreifach. Bleistift-Signatur "59 L" von Alois Eichhorn-Steiner rechts vom Luftloch. 

Abb. 9: Blick durch den Balg auf die Melodieseite. Das Instrument ist durchwegs mit Sonntag-Stimmen (Davidsstern-Stimmen) ausgestattet.
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Abb. 10: Rotes Balgpapier mit Sternen wurde bis um 1910 verwendet; es ist daher möglich, dass es sich um den Originalbalg handelt, der in diesem Falle inzwischen an die 125 Jahre auf dem Buckel hätte.









Freitag, 9. Oktober 2015

Vermischte Meldungen

Roger Bürgler's Schwyzerörgeliprojekt


Kinoplakat

Roger Bürgler (kulturwerk.ch) hat dem Schwyzerörgeli und der hiesigen Schwyzerörgeliszene einen Film gewidmet. Die Uraufführung wird am 22. Oktober 2015 im Theater Arth statt finden. Hintergründe und Wissenswertes zum Film findet man auf der Homepage http://fremdfoetzeligemusikanten.ch und in der Facebook-Gruppe.

Volksmusik im inneren Teil des Kantons Schwyz

Pius Ruhstaller (www.echo-vom-gaetterli.ch) arbeitet im Auftrag der kantonalen Kulturkommission Schwyz an einem neuen Band in der Reihe Schwyzer Hefte zum Thema Volksmusik im inneren Teil des Kantons Schwyz. Das Heft soll im Frühjahr 2016 erscheinen. 

Dienstag, 26. Juni 2012

Ein Notizbuch aus der Stimmstube der Fa. Eichhorn

Das hier in Auszügen publizierte Notizbuch lag während Jahrzehnten griffbereit in einem Kasten in der Stimmstube der Fa. Eichhorn. Der Autor und die Zeit seiner Entstehung sind nicht bekannt. Vermutlich wurde es von Alois Eichhorn-Reichmuth (1894-1939) angelegt als er seine Tätigkeit als Stimmer aufnahm. Es offenbart keine Geheimnisse, die heute nicht bekannt wären, ist aber dennoch ein schönes Zeitdokument.

Abb. 1: Vordere Umschlagseite des Notizbuchs.

Abb. 2: Seite 1. 8 Bässe Club-Modell (Hohner Einteilung).

Abb. 3: Seite 2. 8 Bässe Schwyzer-Orgel (Iteneinteilung)

Abb. 4: Seite 3. 17 Bässe (Super-Standard)

Abb. 5: Seite 4. 18 Bässe, 3-chörig, Iten-Einteilung mit erweiterter Kreuztonreihe für  24 und 26  Bässe; unten Eichhorn-Einteilung für Kreuztonreihe. Mit Anmerkung für den Stimmer.

Abb. 6: Seite 5. Schema für 18 Bässe. Mit Anmerkung für den Stimmer.

Abb. 7: Seite 6. 42-, 60- und 75  Bässe mit Iteneinteilung und Eichhorn-Einteilung. 


Abb. 8: Seite 8. 4 Reihen (B-Es mit zusätzlicher F-Reihe) Iten-Einteilung.

Abb. 9: Seite 9. 4 Reihen (B-Es mit zusätzlicher F-Reihe) Eichhorn-Einteilung.

Abb. 10: Seite 14. 4 Reihen mit Hilfstonreihe (Semitono-Reihe?)


Das Notizbuch ist im Besitz der Fa. Eichhorn, Inh. Werner Greuter und Sohn. Alle Fotografien LS.

Freitag, 25. Mai 2012

Die zweireihige Alois Eichhorn No. 144, 4. Juli 1896

In der Gesamtkonstruktion hat das vorliegende Instrument von Alois Eichhorn-Steiner viele Ähnlichkeiten mit den mehrreihigen Urmodellen von Bärtschi (Riggisberger), Christen (Affolterli), Lüdi etc. Das Griffbrett der Melodieseite ist allerdings wesentlich weniger hoch gestuft und die Tonreihen sind gegeneinander versetzt, was den Wechsel zwischen beiden Tonreihen erleichtert. Vermutlich wurden die Instrumente mit den hohen Stufen wie einreihige Instrumente gespielt und bei Tonartwechsel die Reihe gewechselt, während bei der Konstruktion, wie sie hier vorliegt beide Reihen jederzeit zur Verfügung stehen.

Ausnahmsweise ist das Instrument vollständig datiert.Die Signatur <No 144, 4. Juli, 96> (Abb. 10) eröffnet allerdings neue Fragen: Hat Alois Eichhorn in den ersten 10 Jahren nach der Firmengründung bloss 144 Instrumente hergestellt, also etwa 14 Stück pro Jahr? Warum hat er hier eine andere Art der Signatur verwendet, wenn bereits bei älteren Modellen die Code-Elemente Buchstabe und Zahl vorhanden sind? 

Abb. 1: Instrument von vorne. Diskantverdeck entfernt. Zwei Reihen Melodie mit je zehn Tönen diatonisch sowie vier diatonische Bässe umfassen das musikalische Spektrum von Tonika-Dominante-Subdominante. Die beiden Tonreihen der Melodieseite sind gegeneinander versetzt. Das Instrument scheint weitgehend im Originalzustand zu sein. Eine äusserlich erkennbare Herrstellerbezeichnung (Beschriftung) ist nicht vorhanden.

Abb. 2: Melodieseite. Gestuftes Griffbrett. Erkennbar sind zwei behelfsmässige, nachträglich Angebrachte Tasten für Hilfstöne. Die Taste für den unteren Kreuzton besteht aus einem zugebogenen Nagel.

Abb. 3: Melodieseite in Aufsicht. Schalldeckel und Griffbrett aus Erlenholz.


Abb. 4: Melodieseite hinten.

Abb. 5: Melodieseite vorne. Die Melodietasten sind aus Porzellan. Das Luftloch in die Kanzelle des oberen nachträglich hinzugefügten Kreuztones ist mit Klebeband verschlossen (oberste Luftklappe). Die Mechanik ist nicht mehr vollständig erhalten.

Abb. 6: Detail Melodieseite vorne. Mechanik der unteren, nachträglich angebrachten Hilfstaste.
Abb. 7: Melodieseite von Innen. Das Instrument ist zweichörig.  Der zweite Chor liegt auf Stimmstöcken, ein Kastenbau ist nicht vorhanden. Die Stimmplatten der Originalstimmen bestehen aus Messing, die Stimmzungen aus Neusilber.  Beachte die nachträglich angebrachten Stimmen aus Zink (Stimmplatte) und Messing (Stimmzunge) für je einen der später eingebauten Hilfstöne unten rechts und unten links (Dix-Stimmen).

Abb. 8: Bassseite mit Bassverdeck (links) und Luftknopf rechts oben. Das Bassverdeck ist klein, weil die Bassmechanik nur wenig Platz einnimmt. Alle bassseitigen Tasten sind aus Messing gefertigt.


Abb. 9: Basseite von Innen. Grundbass zweifach, Begleitbass vierfach.  Verwendung von Dreiklang-Stimmplatten für den Durakkord wie bei den Langnauerli, Riggisberger- und Christen-Örgeli.

Abb. 10: Detailaufnahme: Signatur auf der Bassseite: No 144, 4. Juli, 96 von Alois Eichhorn-Steiner.  

Alle Fotografien LS, Instrument aus der Privatsammlung von BZ

Montag, 21. Mai 2012

Neues aus der Welt der Schilder der Fa. Eichhorn, Schwyz

Instrumente der Spitzenklasse sind selten und daher gesucht. Alte, nach traditioneller Handwerkskunst gefertigte, Instrumente der Spitzenklasse sind noch seltener. Deshalb werden von Händlern aus ganz normalen, zweitklassigen Instrumenten, gerne Instrumente der Spitzenklasse gemacht. Sie fragen sich, wie das geht? Ganz einfach. Man fälscht Merkmale von Instrumenten der Spitzenklasse und montiert sie an zweitklassige Instrumente. Et voilà! Der unerfahrene Liebhaber lässt sich ja noch so gerne ein X für ein U vormachen und lässt dafür auch gerne einen Tausender oder mehr springen. Schon nur wegen der Intarsie am Balgrahmen oder der Beschilderung des Instrumentes hört der feinfühlig Suchende Finessen in der Tonqualität und fühlt eine schon fast göttliche Ansprache der Stimmen, die mit anderen Äusserlichkeiten des Instrumentes niemals erfühlt werden könnten. Dem Händler kann es nur recht sein. Eine echte Win-Win-Situation.

Ein sehr beliebtes Merkmal für Fälscher sind die Schilder der Instrumente; Jos. Nussbaumer-Liebhaber können ein Lied davon singen. Aber auch Eichhorn-Orgeln sind in zunehmendem Masse von diesem Übel betroffen. So gelten z.B. Instrumente mit dem Schild <A. Eichhorn und Söhne, Handharmonika-Fabrik, SCHWYZ> als Spitzeninstrumente, da effektiv in der Zeit, in der dieses Schild verwendet wurde (ca. 1917-1925/1930) zahlreiche Spitzeninstrumente die Eichhorn-Manufaktur verliessen. Die hohe Qualität verdanken wir vermutlich vor allem der Tatsache, dass in dieser Zeit die Konkurrenz zum unübertroffenen Josef Nussbaumer sehr gross war. (Es sei an dieser Stelle einem Eichhorn-Liebhaber erlaubt, zuzugeben, dass Jos. Nussbaumer auch ganz passable Instrumente gebaut hat.)

Im folgenden zwei Beispiele für gefälschte Schilder. Im ersten Fall (Abb. 1 bis Abb. 3) ist dem Schreibenden nicht ganz klar, ob hier ein Glockenschild für ein Haustür seine Bestimmung verfehlt hat. Im zweiten Fall (Abb. 4)  muss man zugeben, dass der Fälscher - oder die Fälscherin, das gibt es nämlich auch - sich doch etliche Mühe gemacht hat. Aber eben, die Kunst liegt im Detail. Schauen sie selber.

Abb. 1: Dieses Schild erhalten Sie bei Mister Minit in 10 Minuten. Mit der Fa. Eichhorn hat es allerdings überhaupt nichts zu tun.

Abb. 2: Die Montage des Schildes an der Frontseite des Bassverdecks und vom Balg her lesbar.  So ist recht! Bravo.

Abb. 3: An dieser Stelle hätte man besser ein Briefkastenschild <Handharmonikafabrik, JOS. NUSSBAUMER,  Bachenbülach (Ct. Zürich)> angebracht. Dann hätten wir eine A. Eichhorn plus Jos. Nussbaumer.... das macht dann gleich, je nach Temperament  und Potenz zwei bis ??? Tausender mehr.


Abb. 4: Das Schild zuoberst wurde an einem Instrument gesehen, das erst kürzlich auf ricardo.ch versteigert wurde.  Zu erkennen, dass es sich dabei um eine Fälschung handelt, bedarf es eines kritischen und informierten Auges. Danke an GH, dass er mich darauf aufmerksam gemacht hat. Das Schild in der Mitte ist das Original, das Schild zuunterst ist das Ersatzschild, dass die Fa. Eichhorn seit ein paar Jahren auf Wunsch montiert. Wenn man auf die Details achtet, ist die Nachahmung  leicht zu Identifizieren: Das Schild ist kleiner als das Original, was am hellen Holzsaum zu erkennen ist (Pfeil); die Strichdicke der Buchstaben ist zu fein, die Positionierung der 3. Zeile <SCHWYZ> im Vergleich zur 2. Zeile stimmt nicht (rote Linien), der Ring um das Loch für die Montagestifte fehlt  (Pfeil) und die Montagestifte sind nicht originalgetreu. Aber... es handelt sich um eine aufwändig geätzte Kopie, nicht um eine billige Gravur. Insofern Chapeau! 

Links zu älteren Beiträgen zu diesem Thema
Schilder der Firma Eichhorn, Schwyz
Nachtrag zu Schilder der Firma Eichhorn, Schwyz

Freitag, 9. März 2012

Ein eigenartiger Code, Teil 4

Nachdem in <Ein eigenartiger Code, Teil 3> die Prinzipien der Entschlüsselung der Eichhorn-Signatur erläutert worden sind, wird sich dieser Blogbeitrag der Diskussion von aktuellen Problemen und offenen Fragen in diesem Zusammenhang widmen, in der Hoffnung, dass in näherer oder fernerer Zukunft der eine oder andere der genannten Punkte einer Klärung zugeführt werden können.


Die Bedeutung der römischen Ziffern
Die typische Eichhornsignatur setzt sich aus den Teilen a. lateinische Zahl, b. Buchstabe und c römische Zahl zusammen. Auf die Bedeutung von a. und b. wurde in Teil 3 dieser Blogfolge eingegangen. Nach gängiger Ansicht gibt die römische Zahl den Monat des Herstellungsjahres an, also z.B. III für März oder IV für April etc. Drei Gründe sprechen gegen diese Interpretation: Erstens ist es unverständlich, dass ein eher unbedeutendes Detail wie der Herstellungsmonat explizit festgehalten wird, da ja nicht einmal das wesentlich bedeutsamere Herstellungsjahr eindeutig angegeben wird. Zweitens habe ich nach Sichtung zahlreicher Instrumente nie römische Ziffern im Dreifachcode a.b.c gesehen, die über die Zahl IV hinausgegangen wären. Alle Angaben mit römischen Zahlen höher als IV hängen mit einer anderen Art der Kodierung zusammen, die weiter unten angesprochen wird.  Drittens erscheint die römische Zahl nicht im Stammbuch, in dem sich eine Zuordnung zum Herstellungsjahr ohne weiteres nachvollziehen lässt. Weitaus logischer scheint mir daher folgende Interpretation der römischen Zahl: Das Alphabet zählt ohne die drei Umlaute ä, ö und ü 26 Buchstaben. Wenn jeweils eine Serie von 100 Instrumenten einem Buchstaben des Alphabets zugeordnet wurde, ergibt dies pro vollständiges Alphabet 2600 Instrumente. Diese Zahl entspricht grob geschätzt etwa der Produktion in 20 bis 25 Jahren (100 bis 120 Instrumente pro Jahr). Im Zeitraum von etwa 100 Jahren würde dies bedeuten, dass die Kodierung vier bis fünf Mal mit der Serie a neu beginnen musste (vier bis fünf Alphabet-"Generationen"). Die römische Zahl könnte demnach die Alphabet-"Generation" markieren, d.h. die erste Generation von Instrumenten wurde nach dem Prinzip 1-100.a-z. kodiert, die zweite Generation 1-100.a-z.I, die dritte Generation 1-100.a-z.II etc. Die Klärung dieser Frage erfordert eine möglichst umfassende Auswertung des Datenbestandes an noch exisitierenden Signaturen und der Stammbuch- und Kalendereinträge.

Inkonsistenz der Kodierung
Die klassische Art der Dreifach-Kodierung wurde nicht immer beibehalten. Die Signatur der frühen Instrumente vor ca. 1900 folgt nicht diesem Schema.

Abb. 1: Signatur  einer 4-bässigen Orgel  von Alois Eichhorn-Steiner 


In der Zeit nach der Generalmobilmachung zum 2. Weltkrieg, also in der Zeit Ende 1939 bis 1940/41 wurde mindestens eine Serie von 100 Instrumenten nur mit einer Zahl und ohne Serienbezeichnung beschriftet (nur Code Teil a).

Abb. 2: Signatur von Josef Eichhorn um 1940

Im Jahre 1979 kam ein Alphabet zu Ende. Die Fortsetzung erfolgte nicht durch den Beginn einer neuen Alphabet-"Generation" sondern auf die Serie z folgte die Serie I (römisch Eins, Abb. 3).

Abb. 3: Seite aus dem  Stammbuch 1953-1984. Der Wechsel von z auf I (römisch eins) ist deutlich zu erkennen.

Es ist nicht möglich den genauen Zeitpunkt festzulegen, von dem weg die klassische Signatur in der Form a.b.c eingeführt wurde. Diese Inkonsistenzen bei der Beschriftung erschweren die genaue zeitliche Zuordnung, insbesondere auch auf Grund der Tatsache, dass wesentliche schriftliche Unterlagen zur Zeit nicht greifbar sind.

Stammbücher und Kalender
Zur Zeit ist das Stammbuch 1953-1984 digital erfasst und archiviert. Es handelt sich dabei um das letzte Stammbuch, das von der Fa. Eichhorn geführt wurde. Zudem sind die "Kalender" mit den Instrumenten aus den Jahren 1945 bis 1985 digital erfasst und archiviert. Stammbücher vor 1953 und Kalender vor 1945 müssen bis heute leider als verschollen eingestuft werden. Es gibt Hinweise darauf, dass die Dokumente im Rahmen einer Aufräumaktion vernichtet wurden. Es besteht allerdings die berechtigte Hoffnung, dass diese pessimistische Aussage nicht zutrifft und die Dokumente in den nächsten Jahren zum Vorschein kommen werden, da aktuell gewisse Räumlichkeiten in der Eichhorn-Manufaktur nicht zugänglich sind.

Die Frage nach dem Warum?
Jedem Interessierten stellt sich die Frage, weshalb ein derart intransparenter Code für die Signatur der Instrumente verwendet wurde. Weit nahe liegender wäre eine fortlaufende Nummerierung der Instrumente oder z.B. eine Jahresangabe plus fortlaufende Nummerierung der Instrumente in diesem Jahr. Der Code ist eindeutig in einer Weise gestaltet, dass nur Eingeweihte mit Zugriff auf zusätzliche Informationen (Kalender- und/oder Stammbucheinträge, Kenntnis der Schriften) die Bedeutung der Angaben erkennen können. Hier zeigt sich ein typisches Charaktermerkmal der Eichhorns, nämlich die profunde Verschwiegenheit in Geschäftsangelegenheiten, die möglicherweise eine wesentliche Voraussetzung für den Geschäftserfolg war. Persönliche Gespräche mit noch lebenden Familienangehörigen haben ergeben, dass es üblich war, dass selbst engste Angehörige den Raum verlassen mussten, wenn die Männer über geschäftliche Dinge sprachen.  Also auch innerhalb der Eichhorn-Familie wurde strengste Geheimhaltung in geschäftlichen Angelegenheiten gewahrt. Die Folgen dieser Geschäftspolitik sind bis heute spürbar. Sie öffnen den Raum für Spekulationen und erschweren den exakten Nachvollzug der Geschichte der Eichhorn-Handharmonika.

Wie weiter?
Obwohl Signaturen schon gefälscht oder nachträglich abgeändert wurden, bieten diese die zuverlässigste Möglichkeit, das Baujahr eines Instrumentes einzuschätzen. Andere Merkmale wie Intarsien, Stimmenmaterial, Celluloid und Schilder sind wenig zuverlässig, da sie nachträglich leicht geändert werden können und da sie beim Bau der Instrumente nicht zuverlässig einer Periode zugeordnet werden können. Man nahm was man hatte bzw. was geliefert wurde und in einer Periode, die z.B.  durch grosse Würfelintarsien am Balgrahmen charakterisiert war, konnte es vorkommen, dass eine Zahl von Instrumenten mit kleinen Würfelintarsien versehen wurde! Um die geschichtliche Entwicklung der Eichhorn-Handharmonika besser nachvollziehen zu können und eine genauere Datierung der Instrumente zu ermöglichen, wäre es wünschenswert, wenn ein Register der noch existierenden Instrumente angelegt werden könnte. Der Autor dieses Blogs wäre gerne bereit, den Aufbau und die Verwaltung eines derartigen Registers in die Hand zu nehmen und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Er wäre allerdings auf die Mithilfe der Leser und Leserinnen, insbesondere auch der Sammler, Reparateure und Restauratoren angewiesen.







Mittwoch, 7. März 2012

Ein eigenartiger Code, Teil 3

Wie wir in den vorhergehenden Ausführungen festgestellt haben, ist (fast) jedes Eichhorn-Instrument mit einer zwei- bis dreistelligen Signatur versehen. Wie in Teil 1 angedeutet, lassen sich aus der Signatur ableiten, wer das Instrument in der Eichhorn-Manufaktur gestimmt hat (siehe Teil 2), in welchem Jahr das Instrument gebaut wurde und wer der Erstkäufer des Instruments war.

Die Signaturen bestehen typischerweise von links nach rechts aus

  • einer arabischen Zahl, z.B. 69.
  • einem lateinischen Kleinbuchstaben, z.B. n.
  • bei älteren Instrumenten (vor ca. 1950) einer römischen Ziffer, z.B. III
Abb.1: Signatur 69.n.

Abb. 2: Instrument Eichhorn, Tonart A-D, 3-chörig, 18 Bässe, 10 Kreuztöne mit der Signatur 69.n.

Die Angaben sind wie folgt zu lesen
  • Die arabische Zahl 69 bedeutet, dass es sich um das 69. Instrument aus einer Serie von 100 Instrumenten handelt.
  • Der lateinische Kleinbuchstabe gibt die Serienbezeichnung an. In diesem Fall handelt es sich um die Serie mit der Bezeichung n. 
  • Eine römische Ziffer fehlt bei diesem Instrument neueren Datums.
Die Signaturen wurden nach folgendem Prinzip angebracht: In der Manufaktur wurden die neu hergestellten Instrumente unterschiedlichen Typs in der Stimmstube fortlaufend von 1 bis 100 nummeriert. Eine Gruppe von 100 Instrumenten bildete eine Serie, in diesem Fall die Serie n. Wurde die Ziffer 100 erreicht, dann wurde auch die Serienbezeichnung nach dem Alphabet fortlaufend gewechselt. Also nach dem Instrument 100.n. wurde das nächste Instrument mit der Signatur 1.o. versehen.

Wie bereits in Teil 2 erläutert wurde, ist es möglich, anhand des Schriftbildes den Urheber der Signatur zu bestimmen. In diesem Fall war es Alois Eichhorn. Damit ist eine grobe Datierung möglich, da Alois Eichhorn (1924-2005) Instrumente ab 1945 bis 2005 signiert hat. Das Instrument wurde demnach in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hergestellt.

In der Stimmstube wurde über jedes hergestellte Instrument genau Buch geführt. Die Bezeichnungen der Instrumente sowie der Instrumententyp wurden in Kalendern festgehalten. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die Kalender eigentlich nichts über das effektive Produktionsdatum aussagen, da die Kalender einfach anstelle von einem Notizbuch verwendet wurden. So finden sich z.B. im Kalender von 1966 die Angaben zu den Instrumenten, die im Zeitraum Ende 1966 bis Mitte 1972 hergestellt wurden.

Abb. 3: Umschlag des Kalenders 1966

Abb. 4: Kalender 1966, Woche 21. Eingetragen ist rechts der Jahreswechsel 1967-1968. Zudem erkennen wir in der ersten Zeile, dass zu dieser Zeit die Instrumente der Serie n. hergestellt wurden. Das erste Instrument, im Jahre 1968 wurde mit der Signatur 34.n. versehen.

Abb. 5: Drei Seiten später ist die Signatur unseres Instrumentes 69.n. aufgeführt. Die Bezeichnung 18/3/4 a/d bedeutet, dass die Orgel 18-bässig, 3-chörig, Bässe 4-fach in  der Tonart A-D ausgeführt ist. 
Damit kann gesagt werden, dass das Instrument mit der Signatur 69.n. in den ersten Monaten des Jahres 1968 hergestellt wurde.

Neben dem Eintrag in den Kalender wurde jedes Instrument mit seiner Signatur in einem Stammbuch eingetragen. Beim Verkauf des Instrumentes wurden das Verkaufsdatum, der Name des Käufers und ev. der Kaufpreis eingetragen.


Abb. 6: Umschlag des Stammbuches 1953-1984

Abb. 7: Stammbucheintrag für das Instrument 69.n. Die Orgel wurde am 5. März 1970 an das Musikhaus G. Steck-Strebel in Langnau verkauft. Der Verkaufspreis lag bei Fr. 1110.-. Die Orgel war im Katalog als Modell 102 aufgeführt und, wie wir bereits wissen, in der Tonart A-D.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Instrument mit der Signatur 69.n. in den ersten Monaten des Jahres 1968 gebaut und von Alois Eichhorn gestimmt wurde. Es wurde am 5. März 1970 an das Musikhaus Steck in Langnau verkauft.

Das Beispiel mit dem Instrument 69.n. wurde deshalb gewählt, weil in diesem Fall die ganze Linie - vom vorhandenen Instrument über den Kalendereintrag bis zum Stammbucheintrag - verfolgt werden kann und sich so das Prinzip des Codes, bzw. der Signatur vollständig darstellen lässt. In Teil 4 werde ich erläutern, warum dies zur Zeit in vielen Fällen noch nicht möglich ist.

Zum Abschluss dieses Teils ein weiteres Beispiel aus den Archiven für den Liebhaber

Abb. 8: Leo Schelbert (z Tönis Leo, 1905-1966), bedeutender Akkordeonist und einer der zahlreichen Muotathaler Komponisten.

Abb. 9: Kalender 1960 mit Eintragungen zu den Instrumenten mit Baujahr Ende 1960 bis 1965. Das Bildmotiv ist nicht ganz zufällig, da die Eichhorns grosse Autoliebhaber waren.

Abb 10: Das Kalenderblatt zeigt den Wechsel der Signatur von 100.b. auf 1.c. (auf Höhe 17. Februar). 

Abb. 11: Der erste Eintrag oben links bezeichnet das Instrument 22.c. Es handelt sich um eine chromatische Orgel mit 123 Bässen, 4-chörig, Bässe 2-fach, Schwyzerton mit dem Vermerk Leo Schelbert. Das Instrument wurde demnach zu Beginn des Jahres 1961 signiert.

Abb. 12: Eintrag im Stammbuch 1953-1984. Links sind die Instrumentennummern zu erkennen, in der ersten Zeile die Serienbezeichnung c. Unter 22. ist festgehalten, dass Leo Schelbert das Instrument 1961 gekauft hat, ein genaues Verkaufsdatum und der Kaufpreis sind nicht angegeben.