Donnerstag, 30. Mai 2013

Notenheft Anton Betschart (Jakä Tönäl)


Der Verein Giigäbank Muotathal hat sich zum Ziel gesetzt, das volkstümliche Kulturgut der Gemeinden Muotathal und Illgau zu erhalten und zu pflegen. Damit Musikanten jeglichen Alters Kompositionen von einheimischen Musikanten erlernen können, wurde die Notenheft-Reihe Muotathaler Komponisten ins Leben gerufen. Der soeben neu erschienene 3. Band dieser Reihe ist Anton Betschart (ds Jakä Tönäl, 1925-1986) gewidmet.

Das Heft enthält neben biographischen Angaben zu Leben und Werk die Noten zu acht Tänzen, die Anton Betschart zugeschrieben werden.

  • Luschtig tönt's vom Gygebank
  • Uf em Alphüttebänkli
  • Auf Wasserberg's Höhen
  • Fasnacht in Muotathal
  • Es Hoselüpfli
  • Durch's Muotathal
  • Echo vom Pragelpass
  • Uf em Schwyzerörgeli

Die Tänze sind jeweils in klassischer Notenschrift und in Griffschrift für Schwyzerörgeli notiert. Ausgangsmaterial waren die Aufnahmen, die Anton Betschart zusammen mit Fredy Zwimpfer in den Jahren 1961 bis 1963 gemacht hat und die von Cyrill Schläpfer 1997 als CD der Öffentlichkeit neu zugänglich gemacht wurden. Die sorgfältige Transkription wurde von Kari Suter und Reto Grab besorgt.

CSR Records CD 91612


Das Heft wird abgerundet durch bisher unveröffentlichtes Bildmaterial.

Die Publikation ist zum Preis von SFr. 25.- (plus Versandkosten) erhältlich bei
Verein Giigäbank, Postfach 117, 6436 Muotathal, Tel. 041 8301683

Und hier noch ein Veranstaltungshinweis



Freitag, 19. April 2013

Dr Handorgeler von Meinrad Lienert


Die Fecker Ringgeler und Gantenbein aus Muotathal.

Bi blöiss ä arme Musikant.
D'Handorgele i myner Hand
Ist alles was i ha.
I spile druf durs Heimedland,
Sävil i mag und cha.

I mache jedre uf zuem Tanz,
Wo z'Hochsig goht im Jumpfrechranz,
Unt goht's bis z'Nacht am zwei.
Syg's dusse bsoge oder glanz,
I spile re bis hei.

Jo, Roseli, dir spili au!
I spil dr bis dr Tag wird grau,
Häst Hochsig mit dym Gsell.
I spil dr hei dur Ryff und Tau,
I Himel, mir i d'Hell.


Meinrad Lienert: 's Schwäbelpfyffli. Band II. Edition 91, Schwyz (1992)

Samstag, 9. März 2013

Emil Schelbert (Jörätönuls)

Abb.1: Emil Schelbert, Aufnahme Ende  1980er-Jahre an einer Geburtstagsfeier. 
Emil Schelbert wurde am 14.7.1912 als Sohn von Georg-Anton (Jörätönul ab Rössli) und Elise Schelbert-Föhn (Kronenwirts) in Muotathal geboren; er starb in seinem 91. Lebensjahr am 11.10.2002 in Muotathal. Die Eltern führten eine Fuhrhalterei. Das musikalische Talent hatte er von seinem Vater geerbt, der im Militär bei den Tambouren eingeteilt war und der zu den frühen Musikanten auf dem Schwyzerörgeli im Muotatal gezählt werden kann. Emil besass eine 18-bässigen Es-Orgel von Alois Eichhorn. Mit solidem Taktgefühl trug er seine Tänze auf einzigartige, zart anmutende Weise vor.

Abb. 2: Georg-Anton Schelbert (Jörätönul ab Rössli, 21.3.1881-28.6.1960) in der Mitte mit Handorgel.
Im Folgenden wird der Nachruf, der am 9. November 2002 im Bote der Urschweiz erschienen ist, in ungekürzter Form wiedergegeben. Er ist von den beiden Enkelinnen Sandra und Marlen im Muotathaler Dialekt verfasst.

+ Emil Schelbert-Suter, Muotathal
Dr Grosdädi isch am 14. Juli 1912 als Sohn vom Georg-Anton und dä Elise Schelbert-Föhn a dr Wilstrasse uf d Welt cho. Zämä mit äm Schorsch und sinä vier Schwöschtärä, am Lisi, Berteli, Rosi und äm Trudy, hed er ä schöni Kinderzyt chönä erläbä.

Abb. 3: Aufnahme aus den 1920er-Jahren am Muota-Damm, im Hintergrund das Alte Schulhaus von Wil, Muotathal. Personen von links nach rechts: Bürgler Lina (Buuräbeckä), Emil Schlbert (Jörätönuls), ev. Niederist Marie (Wichlers), Schelbert Anny (Früttelers Anny), Gwerder Alois (Buuräbeckä), ev. Lisbeth Schelbert, Gwerder Olga (Buuräbeckä).
Am 15. Juli 1950 hed är sini grossi Liäbi, ds Märtälis Agnes, ghüratät. "I näm sie grad nu einisch", hed är nu vor kurzäm gseid. Äs isch äs Doppelhochsig mit sinärä Schwöschter, äm Lisi, und Franz-Domini gsi. Nach zwei Jahr heds Grosi ihrä erschti Sohn, dr Emil geborä. Dadrufab sind scho gli d Lisä, dr Edgar, d Neesä und d Marie nachächo. Ä ihnä isch är immer ä sehr ä liäbä und fürsorglichä Vater gsi. Mängsmal hed är sini Chind mitgnu, sigs i d Zirkus, ufänä Uusflug oder is Schwert ufä, und häd nä gärä immer äs Chräpfli zahlt. "Äs rüüt mi gar nüd", hed er immer gseid. Mit Stolz hed är mängsmal sini Gschichtli, sigs übers Holzä, Handörgälä, Militär und sinä Ross, äm Fanny und äm Choli, verzelt. Mit sinä Ross hed är um diä 40 Jahr d Liichäfuär im Thal gmacht. Mängä strängä Winter hed är mit äm Schorsch gholzät. Einisch hed är üs verzellt, wie är mit äm Schorsch i dr Ruässalp eini vo dä gröschtä Tannä im Thal, ä 16 kubikmetärigi, vo Hand isch go sagä und mit äm Ross und Schlittä uf z Sagä is Thal gmännt hed.

Abb. 4: Emil Schelbert mit Wagen, Pferd und Trämel.
Voller Kraft isch üsä Grosdädi gsi. Gärä hed  är verzellt, wie när mit acht Zentner Zement mit Ross und Wagä bis i Schwand-Bodä gmännt hed, und das glich au i Goldplangg und andärä Alpä. Vo däd hed är äm Ross drü Zentner ufpaschtet und ei Zentner hed är sälber uf d Achslä gnu und uf Waldi ufätreid, und das zweimal. Vom Zentner heig är ä Füfliber gha. Wiit umä sind dr Grosdädi und dr Schorsch als diä "starchä Schelbertling" bekannt gsi. I dr Friizyt isch är am liebschtä mit äm Grosi zämä äs Uusflüügli go machä. Mit äm Jeep sinds mängisch uf Einsiedlä, uf Illgau is Sigrischtä-Huus oder am Grosi zliäb is Lampietti äs Kafi go trinkä. Sis Liäblingsdessert Meräng und Nidlä mitumä Kaffee Schnaps hed au niä döfä fählä. Dr Grosdädi isch ä sehr ä guätä Musikant gsi. Si Eigeart, diä Tänz z spilä, sind speziell und einzigartig gsi. Gärä hed är im "Rössli" hindä Musig gmacht, wo si Vater, dr Jörätönul ufgwachsä isch. Au bi üsnä Familifäschtli hed z Orgäli niä dörfä fählä. Ä bsundäri Freud hed är a sinä Groschindä gha. Du hesch immer gstrahläd, wänn du vo üs Bsuäch gha hesch. Ä liebärä Grodsdädi chönntid miär üs nüd vorstellä. I dem Jahr hesch du di 90. Geburtstag bi guäter Gsundheit im Kreis vo dinä Liäbschtä chönnä fiirä. I dä letschtä Täg hesch du gmerkt, dass dini Chraft langsam z End ghad. Im Bisii vo dinärä liäbä Frau, dinä Chind und äm Schorsch hesch du friedlich chönnä ischlafä. Grosdädi, miär dankid diär für dini liäbi, herzensguäti Art, wo du üs als Vorbild immer wieder gschänkt hesch. Miär werdit dich niä vergässä. Dini Grosschind Sandra und Marlen.


Abb. 5: Eidgenössisches Trachtenfest 1961 in Basel. Personen von links nach rechts: Wildheuer unbekannt,  Alois Föhn (Jörä Wyseli), Emil Schelbert (Jörätönuls). Von diesem Tag wird berichtet, dass der Umzug nur sehr zäh vorwärts gegangen sei. Nach längerem Warten sei es den beiden Musikanten zu bunt geworden. Sie setzten sich an den Strassenrand und begannen zu musizieren. Als es dann endlich weiterging, steckte eine alte, gebrechliche Frau den beiden Musikanten einen Fünfliber zu mit dem Kommentar, dies sei jetzt einmal eine schöne Musik gewesen.
Link zu Musikbeispiel: Emil Schelbert solo spielt den Feldweibel-Marsch

Dank geht an Edgar Schelbert, Muotathal, der die Fotografien für diesen Bericht zur Verfügung gestellt und mir einen Einblick in das Leben seines Vaters verschafft hat.

Montag, 25. Februar 2013

Alois Betschart (s Gigere Pitschä Wysel)

Alois Betschart-Lüönd, geboren 18.7.1909 in Muotathal, gestorben 23.6.1994 in Seewen SZ.

Aufnahmen von einer Stubete im Rest. Schwert, Muotathal in den 1980er-Jahren. Die Aufnahmen wurden freundlicherweise von Stefan Suter, Muotathal zur Verfügung gestellt.

Pitschä Wysel mit seinem achtbässigen B-Es-Orgeli.


Pitschä Wysel mit Pius Bellmont, Josef Gwerder am Bass.



Samstag, 16. Februar 2013

Lebenszeichen

Geneigte Blog-Leserin
Geneigter Blog-Leser

Ich bin noch da! Auch wenn in den letzten Monaten keine neuen Blogbeiträge erschienen sind, ist der Blog keineswegs eingestellt. Es ist nur so, dass ich zur Zeit aus beruflichen Gründen kaum dazu komme, das bestehende Material auszuwerten und neue Quellen zu erschliessen. Für dieses Jahr sind mindestens ein Beitrag zu Anton Betschart (Jaken Tönel) und Emil Schelbert (Jörätönel) geplant. Falls mir jemand Bild- oder Textmaterial zu diesen beiden Muotathaler Musikanten zuhalten kann, würde das den Prozess etwas beschleunigen ;-). Ausserdem ist unter Instrumentenkunde ein Beitrag zur Konstruktion der sechs- und achtbässigen Schwyzerorgel in Vorbereitung.

An dieser Stelle darf ich auf zwei neue, themenverwandte Weblinks hinweisen.
  1. Die Facebook-Gruppe "Eichhorn Schwyz" wurde gegründet und wird u.a. von mir gemanaged. Über eine rege Beitragsaktivität aller Interessierten würden wir uns freuen.
  2. Albert Marty, Arth: Schwyzerorgel-Werkstadt. Eine von Alex Zürcher liebevoll gestaltete und betreute Seite zum Thema Schwyzerörgeli allgemein und zu Albert Marty, Arth im Besonderen. 
Anton Betschart (Jaken Tönel), Franz Schmidig (Lunnis) und  Joseph Thalmann. Datum der Aufnahme unbekannt. Quelle: Serge's Musikarchiv

Freitag, 6. Juli 2012

Rees Gwerder (Eigeler)

Rees Gwerder wurde am 30. Juli 1911 in Muotathal geboren und starb am 4. Januar 1998 in Arth. Es wurde über ihn bereits viel geschrieben, weshalb es sich erübrigt, hier das bereits gesagte zu wiederholen. Die Links am Ende dieses Blogs verweisen auf Beiträge zu seinem Leben und zu seiner Musik.

Abb. 1: Rees Gwerder Ende 1920er Jahre
(Quelle: Archiv von Cyrill Schläpfer)

Wie ich Rees kennen gelernt habe
Rees Gwerder (und Cyrill Schläpfer) verdanke ich es, dass ich mir einen Kindheitstraum erfüllen konnte. Bereits als kleiner Knopf war ich von Schweizer Volksmusik begeistert. Zu meinem regelmässigen kulturellen Pflichtprogramm gehörten die Volksmusiksendungen am Radio Beromünster/DRS, u.a. die Sendung "E Chratte voll Platte" am Sonntag-Nachmittag. Nach Angaben meiner Eltern war es ein Ding der Unmöglichkeit, mich vor Ende dieser Sendung für den Sonntags-Spaziergang zu bewegen. Meine Freude am Klang der Handharmonika war schon damals gross, und an einer Weihnacht Ende der 60er-Jahre erhielt ich von meinen badischen Grosseltern eine einreihige Hohner Handharmonika. Leider wusste ich mit dem Instrument nicht viel anzufangen. Im Verwandten- und Bekanntenkreis wurde das Musizieren nicht gepflegt und mein Interesse für das Instrument stiess auf wenig Verständnis. Bis auf ein paar Kinderlieder, konnte ich dem Instrument keine Melodien entlocken. So ganz ohne Unterstützung und Anregung verleidete mir die Sache, das Instrument verstummte und verschwand irgendwann auf dem Estrich. Vielleicht wäre alles anders gekommen, hätte ich nicht einen Primarlehrer gehabt, der wunderschön die Geige spielte. Dieses Instrument stiess auf wesentlich mehr Anerkennung und Förderung bei meinen Eltern, die zwar von bäuerlich-handwerklicher Herkunft waren, jedoch bürgerliche Ambitionen hegten. Schnell war eine Lehrerin und später ein Platz in der Musikakademie gefunden und ich erlernte das Geigenspiel mit viel Fleiss und leidlichem Talent. Ganz glücklich wurde ich allerdings nie damit und trotz einiger Erfolge gab ich die Violine nach meiner Rekrutenschule auf. 

Es war im Jahr 1993, als ich in einer Sonntags-Matinee im Kino Camera in Basel den Film Ur-Musig von Cyrill Schläpfer das erste Mal sah. Beim Hören der Musik stand mir der Atem still, die Augen wurden feucht und auf einen Schlag mir völlig klar, solch eine Musik wie sie der Rees macht, will ich auch machen. Voller Tatendrang griff ich am nächsten Tag zum Telefon, um Rees Gwerder anzurufen.

Erster Versuch:

Telefonnummer am Wählrad (!) einstellen, piep piep piep ... Gegenseite nimmt den Hörer ab
"..." (Stille)
"Jä hallo, do isch dr Lukas Stammler us Basel"
"............." (Stille, Geräusche im Hintergrund)
"Hallo, isch öpper am Apparat"
"............"  (Stille)
"Jä, hallo ..."
"............" (Stille), Telefon wird aufgehängt.

Etwas verwirrt starte ich den zweiten Versuch:

Telefonnummer einstellen, piep piep piep ... Gegenseite nimmt den Hörer ab
"....." (Stille)
"Jä hallo, do isch dr Lukas Stammler us Basel"
" Hä....." (raue Stimme)
"Joo, do isch dr Lukas Stammler us Basel"
"Ähää......" 
"Wär isch am Apparat?"
"........" (Stille), Telefon wird aufgehängt

Ich stelle fest, dass hier eine gewisse Hartnäckigkeit von Nöten ist und starte den dritten Versuch:

Telefonnummer einstellen, piep piep piep ... Gegenseite nimmt den Hörer ab
"....." (Stille)
"Jä hallo, do isch dr Lukas Stammler us Basel"
"Wär isch do?"
"Lukas Stammler us Basel"
"Vo wo bisch?"
"Vo Basel"
"Ähä, es chömmäd öppä settigi us Basel zu mir"
"Jä......, bisch du dr Rees"
"Was willsch?"
"I ha dä Film mit dir gseh, Ur-Musig und jetzt will i lehre örgele wie du duesch."
"Örgälä lehrä wottsch?"
"Jo."
"Was chasch?"
"Nüt channi, bi e bluetige Afänger."
"... Chumm wider wenn d öppis chasch." Telefon wird aufgehängt.


Nun, das war nicht sehr ermutigend. Wie es weiterging erspare ich dem geneigten Leser. Soviel sei verraten: Knapp ein Jahr später war ich das erste Mal bei Rees im Unterricht.

Abb. 2: Rees Gwerder zuhause auf dem Gängigerberg
(Quelle: Archiv Cyrill Schläpfer)


Links:
Rees Gwerder auf YouTube








Mittwoch, 4. Juli 2012

Adolf Schelbert (Rössli-Adolf) - Folge 2

Adolf Schelbert, Rössliwirt.
Quelle: Rico Peter: Volksmusik. AT Verlag 1979

Nachruf auf Adolf Schelbert, Wirt im Rest. Rössli, Muotathal, geboren am 23. September 1903, gestorben am 28. Juli 1981. Der Nachruf ist im Bote der Urschweiz Nr. 98 am Freitag, den 21. August erschienen und wird hier im original Wortlaut und in ungekürzter Fassung wiedergegeben.

+ Adolf Schelbert, "Rössli", Hinterhal
(Ml) Wer am 31. Juli die grosse Trauergemeinde sah, die Adolf Schelbert die letzte Ehre erwies, der wusste, hier wurde ein Mensch von grösster Wertschätzung zu Grabe getragen. Denn der "Rössli Adölful", wie ihn der Volksmund nannte, war ein Stück Muotathaler Geschichte. Er war wohl einer jener Männer, die mit ihrer Beharrlichkeit, mit ihrem Mut zum Risiko, mit dem unerschütterlichen Glauben an sich selber als Salz dieser Erde bezeichnet werden dürfen. Doch werfen wir einen Blick auf sein Leben zurück.
Adolf Schelbert wurde am 23. September 1903 als drittes von acht Kindern der Pauline geb. Hediger und des Alois Schelbert, Fuhrhalterei und Wirtschaft zum Rössli, in die Wiege gelegt. Er verlebte eine glückliche wenn auch karge Jugendzeit. Die Schule besuchte der aufgeweckte Knabe im Muotathal, die Fuhrhalterei des Vaters, die Pferde und alles was dazu gehört, waren seine Weiterbildung. Er war stolz darauf, dem Vater schon als Knabe beim Einspannen der Rosse helfen zu dürfen. Als sein Vater Ende der 20er Jahre einen Lastwagen kaufte, stellte er wohl eine Weiche im Herzen von Adolf. Es war die Liebe zum Auto, die Liebe zur Technik, ja vielleicht das Jawort zum Aufbruch in die motorisierte Welt. Er, der noch sechsspännig mit dem Postschlitten fuhr, wurde für eine kurze Zeit Chauffeur bei der Auto AG.
Am 26. Oktober reichte er in der Pfarrkirche zu Muotathal Fräulein Marie Schelbert vom Restaurant Bödeli die Hand zum Lebensbunde. er zog in das noch von seinem Vater erbaute Haus am Hüribach. In den 21 Jahren, die er dort wohnte, bevölkerten nach und nach zehn Kinder die geräumige Stube, von denen eines im zarten Kindesalter dem Schöpfer zurückgegeben werden musste. Adolf war seinen Kindern ein strenger aber gerechter Vater. Es galt wohl tüchtig zuzupacken, aber er schaute auch darauf, dass sie genügend Freizeit hatten.
1952 wurde wohl die Weiche für sein künftiges Leben endgültig gestellt. Er übernahm das Vaterhaus und die Wirtschaft zum Rössli. Mit Fleiss, Ausdauer und dem nötigen Selbstvertrauen ging er nun daran, sein Geschäft aufzubauen. Er vergrösserte in dieser Zeit seinen Wagenpark, was ihn schliesslich 1957 dazu zwang, eine geräumige Garage samt Wohnhaus zu bauen. Auch die Öffentlichkeit forderte von einem Mann wie Adolf ihren Tribut. Den Dienst am Vaterland leistete er während der Kriegszeit bei der Mot Fk 26. In der Gemeinde war er während zwölf Jahren Genossenrat. Dem Gemeinderat diente er acht Jahre, dem Oberallmeindverwaltungsrat gehörte er ebenfalls acht Jahre an. Sein Urteil wurde hochgeschätzt, sein Weitblick manchmal erst später verstanden. So war er auch Gründungspräsident der Transportgemeinschaft Muotathal im Jahre 1954.
Wer das Leben vom "Rössli Adolf" wiedergeben will, kommt wohl an seinem Hobby, dem Handorgelspielen, nicht vorbei. Wie oft hörte man etwa sagen: "Jetzt gammer nu is Rössli, det isch Muusig". Seine lüpfige Spielweise schaffte ihm Freunde weit über die Kantonsgrenzen hinaus. Wie vielen Menschen aus nah und fern er ein paar Stunden mit seiner Musik die Sorgen vergessen half, weiss wohl nur der Herr über Leben und Tod. Es machte ihm Freude, wenn ein Gast mit ihm spielen wollte, denn er hatte für jeden eine passende Handorgel im Stübli.

Von Schicksalsschlägen bleibt wohl kein Mensch verschont. 1948 starb seine Mutter, zwei Jahre später sein Vater. Er behielt ihnen Zeit seines Lebens ein ehrendes Gedenken. Ein schwerer Schlag war für ihn der (tödliche, Anm. LS) Unfall seines Sohnes August am 6. September 1977. Von diesem Schicksalsschlag hat er sich nie mehr richtig erholt. Von da an fing er an zu kränkeln. Anfangs nur Altersbeschwerden, dann immer mehr. Eine Operation brachte vorübergehend Besserung. Doch der Lebensnerv dieses starken und gesunden Mannes war getroffen. Langsam sah man, wie sein Lebenslicht immer kleiner wurde. Zuerst musste er das Handorgeln, dann das Autofahren aufgeben. So wurde sein Wirkungskreis immer kleiner und kleiner, bis er am Morgen des 28. Julis seine Seele dem Herrn zurückgab. Er starb gestärkt mit den Sakramenten unserer Kirche im Spital Schwyz. Wer soviel gearbeitet und geleistet hat wie Adolf, konnte nicht immer allen Leuten genehm sein. Doch wie manchem er zu Essen und Trinken gegeben hat, wie oft er im Stillen in der Not geholfen hat, weiss nur Gott allein. Ihm wird er Rechenschaft geben müssen.

Wir wollen dem Verstorbenen ein würdiges Andenken bewahren.



Herzlichen Dank an Alois1975, der mir diesen Nachruf freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Link zu Adolf Schelbert, Folge 1
Link zu einem Instrument aus der Sammlung von Adolf Schelbert.
Rees Gwerder hat Adolf Schelbert einen Tanz gewidmet. YouTube-Link