Mittwoch, 4. Juli 2012

Adolf Schelbert (Rössli-Adolf) - Folge 2

Adolf Schelbert, Rössliwirt.
Quelle: Rico Peter: Volksmusik. AT Verlag 1979

Nachruf auf Adolf Schelbert, Wirt im Rest. Rössli, Muotathal, geboren am 23. September 1903, gestorben am 28. Juli 1981. Der Nachruf ist im Bote der Urschweiz Nr. 98 am Freitag, den 21. August erschienen und wird hier im original Wortlaut und in ungekürzter Fassung wiedergegeben.

+ Adolf Schelbert, "Rössli", Hinterhal
(Ml) Wer am 31. Juli die grosse Trauergemeinde sah, die Adolf Schelbert die letzte Ehre erwies, der wusste, hier wurde ein Mensch von grösster Wertschätzung zu Grabe getragen. Denn der "Rössli Adölful", wie ihn der Volksmund nannte, war ein Stück Muotathaler Geschichte. Er war wohl einer jener Männer, die mit ihrer Beharrlichkeit, mit ihrem Mut zum Risiko, mit dem unerschütterlichen Glauben an sich selber als Salz dieser Erde bezeichnet werden dürfen. Doch werfen wir einen Blick auf sein Leben zurück.
Adolf Schelbert wurde am 23. September 1903 als drittes von acht Kindern der Pauline geb. Hediger und des Alois Schelbert, Fuhrhalterei und Wirtschaft zum Rössli, in die Wiege gelegt. Er verlebte eine glückliche wenn auch karge Jugendzeit. Die Schule besuchte der aufgeweckte Knabe im Muotathal, die Fuhrhalterei des Vaters, die Pferde und alles was dazu gehört, waren seine Weiterbildung. Er war stolz darauf, dem Vater schon als Knabe beim Einspannen der Rosse helfen zu dürfen. Als sein Vater Ende der 20er Jahre einen Lastwagen kaufte, stellte er wohl eine Weiche im Herzen von Adolf. Es war die Liebe zum Auto, die Liebe zur Technik, ja vielleicht das Jawort zum Aufbruch in die motorisierte Welt. Er, der noch sechsspännig mit dem Postschlitten fuhr, wurde für eine kurze Zeit Chauffeur bei der Auto AG.
Am 26. Oktober reichte er in der Pfarrkirche zu Muotathal Fräulein Marie Schelbert vom Restaurant Bödeli die Hand zum Lebensbunde. er zog in das noch von seinem Vater erbaute Haus am Hüribach. In den 21 Jahren, die er dort wohnte, bevölkerten nach und nach zehn Kinder die geräumige Stube, von denen eines im zarten Kindesalter dem Schöpfer zurückgegeben werden musste. Adolf war seinen Kindern ein strenger aber gerechter Vater. Es galt wohl tüchtig zuzupacken, aber er schaute auch darauf, dass sie genügend Freizeit hatten.
1952 wurde wohl die Weiche für sein künftiges Leben endgültig gestellt. Er übernahm das Vaterhaus und die Wirtschaft zum Rössli. Mit Fleiss, Ausdauer und dem nötigen Selbstvertrauen ging er nun daran, sein Geschäft aufzubauen. Er vergrösserte in dieser Zeit seinen Wagenpark, was ihn schliesslich 1957 dazu zwang, eine geräumige Garage samt Wohnhaus zu bauen. Auch die Öffentlichkeit forderte von einem Mann wie Adolf ihren Tribut. Den Dienst am Vaterland leistete er während der Kriegszeit bei der Mot Fk 26. In der Gemeinde war er während zwölf Jahren Genossenrat. Dem Gemeinderat diente er acht Jahre, dem Oberallmeindverwaltungsrat gehörte er ebenfalls acht Jahre an. Sein Urteil wurde hochgeschätzt, sein Weitblick manchmal erst später verstanden. So war er auch Gründungspräsident der Transportgemeinschaft Muotathal im Jahre 1954.
Wer das Leben vom "Rössli Adolf" wiedergeben will, kommt wohl an seinem Hobby, dem Handorgelspielen, nicht vorbei. Wie oft hörte man etwa sagen: "Jetzt gammer nu is Rössli, det isch Muusig". Seine lüpfige Spielweise schaffte ihm Freunde weit über die Kantonsgrenzen hinaus. Wie vielen Menschen aus nah und fern er ein paar Stunden mit seiner Musik die Sorgen vergessen half, weiss wohl nur der Herr über Leben und Tod. Es machte ihm Freude, wenn ein Gast mit ihm spielen wollte, denn er hatte für jeden eine passende Handorgel im Stübli.

Von Schicksalsschlägen bleibt wohl kein Mensch verschont. 1948 starb seine Mutter, zwei Jahre später sein Vater. Er behielt ihnen Zeit seines Lebens ein ehrendes Gedenken. Ein schwerer Schlag war für ihn der (tödliche, Anm. LS) Unfall seines Sohnes August am 6. September 1977. Von diesem Schicksalsschlag hat er sich nie mehr richtig erholt. Von da an fing er an zu kränkeln. Anfangs nur Altersbeschwerden, dann immer mehr. Eine Operation brachte vorübergehend Besserung. Doch der Lebensnerv dieses starken und gesunden Mannes war getroffen. Langsam sah man, wie sein Lebenslicht immer kleiner wurde. Zuerst musste er das Handorgeln, dann das Autofahren aufgeben. So wurde sein Wirkungskreis immer kleiner und kleiner, bis er am Morgen des 28. Julis seine Seele dem Herrn zurückgab. Er starb gestärkt mit den Sakramenten unserer Kirche im Spital Schwyz. Wer soviel gearbeitet und geleistet hat wie Adolf, konnte nicht immer allen Leuten genehm sein. Doch wie manchem er zu Essen und Trinken gegeben hat, wie oft er im Stillen in der Not geholfen hat, weiss nur Gott allein. Ihm wird er Rechenschaft geben müssen.

Wir wollen dem Verstorbenen ein würdiges Andenken bewahren.



Herzlichen Dank an Alois1975, der mir diesen Nachruf freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Link zu Adolf Schelbert, Folge 1
Link zu einem Instrument aus der Sammlung von Adolf Schelbert.
Rees Gwerder hat Adolf Schelbert einen Tanz gewidmet. YouTube-Link

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